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Wissen führt nicht automatisch zu Können
Die kognitive Intelligenz korrelierte zwar stark mit Noten, aber weniger mit dem Lebenserfolg.


Bill Gates, Mark Zuckerberg, Steve Jobs, Johnny Depp, Quentin Tarantino, Henry Ford, Richard Branson, Jack Dorsey, Walt Disney und viele mehr haben spätestens die Universität oder noch viel früher die schulische Ausbildung abgebrochen und waren trotzdem beruflich erfolgreich. Waren sie alle Overachiever?
Dann die berühmten Underachiever, denen wir alle auch irgendwann begegnen: sie sind bekannt als jene, die aufgrund ihres intellektuellen Potenzials eigentlich Linienpiloten oder Chirurginnen werden sollten, aber es kam anders. Die Overachiever, denen wir wenig zugetraut haben und trotzdem eine gute Performance in der Schule oder dann spätestens im Berufsleben abliefern. Letztere haben dann plötzlich ein erfolgreiches und innovatives Unternehmen gegründet. Ihre Lehrpersonen sind dann überrascht. Die Wissenschaft ist etwas weniger konsterniert. Während ein guter Intelligenztest zwar ein guter Prädiktor Schulerfolg ist (Korrelation bis zu r0.51), scheitert der IQ viel stärker bei der Vorhersage des beruflichen Erfolgs (die Korrelation sinkt bis r=0.51). Selbst bei den besten Korrelationen, die man in der wissenschaftlichen Forschung findet, bleiben 70% der Unterschiede ungeklärt.
Es gibt also offensichtlich für den Berufs- und Lebenserfolg eine Menge anderer und teilweise stärkerer Einflussfaktoren als der gemessene IQ. Ohne die dynamischen Diskussionen um IQ, ihre angebliche Angeborenheit oder eben nicht und vor allem die zahlreichen und wirksamen Einflüsse kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Art, aufzugreifen: Wissen erzeugt offensichtlich nicht automatisch Können. Der Schriftsteller Thomas Mann musste zwei Klassen wiederholen, während Nobelpreisphysiker das Gymnasium verlassen musste.
Die zwar nicht ganz unumstrittenen Aussagen aus dem Marshmallow-Test im Hinblick auf den Lebenserfolg haben es schon angedeutet. Zahlreiche empirische Erkenntnisse bekräftigen die vitale Bedeutung der nichtfachlichen, persönlichen, sozialen und emotionalen Fähigkeitien für den Lebens- und Berufserfolg. Durchaltewillen, den «Grit» (vor allem aufgegriffen von Angela Duckworth), sich organisieren können, Ambitionen haben, zielstrebig sein, die Kreativität, ein problemlösungsorientiertes Verhalten und viele überfachliche Schlüsselkompetenzen mehr vermögen kognitive Voraussetzungen in einem traditionell formalschulischen Verständnis zu kompensieren und sind selbst für IQ-Überfliegerinnen entscheidend.
Deshalb ist es fundamental, diese Kompetenzen systematisch zu entwickeln. Das ist eine Verantwortung und Gemeinschaftsaufgabe der Schulen. Vor allem auch der Schulen, da auch die soziale Herkunft für den Aufbau dieser Fähigkeiten eine Rolle spielt.
Quellen und Empfehlungen:
Prof. Stamm, Margrit (Univ. Fribourg CH): Praktische Intelligenz. Ihre missachtete Rolle in der beruflichen Ausbildung. Swiss Education. margritstamm.ch
Duckworth, Angela. Grit. Why Passion and Resilience are the Secrets to Success. (2016).
Mischel, Walter. The Marshmallow Test. Understanding Self-Control and How to Master it. (2014).


